Frauenehre und Frauenmode. Im Urteil zeitgenössischer Männer und Frauen

A.P. Luxemburg
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Year: 1915
Publisher: Sankt-Paulus-Gesellschaft, Luxemburg
Edition:
 1st

Language: DE
Pages: 78
Condition: VG
Binding: SC

- Das Werk „Frauenehre und Frauenmode. Im Urteil zeitgenössischer Männer und Frauen“ aus dem Jahr 1915 stellt ein faszinierendes historisches Dokument dar, das die Schnittlinie zwischen gesellschaftlichem Moralempfinden, der Emanzipation der Frau und der luxemburgischen Mediengeschichte des frühen 20. Jahrhunderts markiert.Erschienen ist das 76-seitige Buch mitten im Ersten Weltkrieg – einer Epoche des radikalen gesellschaftlichen Umbruchs. Da unzählige Männer an den Fronten kämpften, drängten Frauen in Luxemburg und ganz Europa verstärkt in die Arbeitswelt und übernahmen Fabrikarbeiten, Verwaltungsaufgaben und handwerkliche Berufe. Dieser tiefgreifende Wandel im Alltag der Frauen forderte auch eine modische Revolution ein: Das gesundheitsschädliche, einengende Korsett wurde zunehmend abgelegt, Röcke wurden praktischer und kürzer, und die ersten Frauen begannen, Hosen zu tragen.Diese optische und physische Befreiung des weiblichen Körpers stieß in konservativen und kirchlichen Kreisen jedoch auf heftigen Widerstand. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich das Buch, das unter dem Autorenkürzel A.P. Luxemburg veröffentlicht wurde. Gedruckt und herausgegeben wurde das Werk von der traditionsreichen Sankt-Paulus-Gesellschaft (der späteren Imprimerie Saint-Paul und heutigen Mediahuis Luxembourg), die als führendes katholisches Medienhaus des Großherzogtums eng mit der Bewahrung traditioneller, christlicher Werte verbunden war.Aus dieser Sichtweise heraus setzt sich das Buch kritisch mit den neuen Modeströmungen auseinander. Es sammelt zeitgenössische Stimmen, Zitate und Urteile von Männern und Frauen der Epoche, um die Befürchtung zu untermauern, dass die moderne, freizügigere Kleidung zu einem Verfall der Sitten und zum Verlust der klassischen „Frauenehre“ führe. Wie sensibel und zerbrechlich dieser Begriff der Ehre damals verstanden wurde, verdeutlicht das dem Buch vorangestellte Motto des Dichters Freiherr von Dyherrn:„Frauenehre ist des Waldsees Welle, die des Windes leiser Hauch schon trübt.“Aus heutiger Sicht ist das Buch ein wertvolles kulturhistorisches Zeugnis. Es dokumentiert eindrucksvoll den patriarchalen Kontrollanspruch jener Zeit und zeigt, wie Kleidung als Gradmesser für weibliche Moral instrumentalisiert wurde. Gleichzeitig spiegelt es ein wichtiges Kapitel der luxemburgischen Verlagsgeschichte wider, in dem die Sankt-Paulus-Gesellschaft nicht nur tagesaktuelle Nachrichten über das Luxemburger Wort verbreitete, sondern auch aktiv die gesellschaftspolitischen Debatten ihrer Zeit in Buchform begleitete.